Geheim-Organisationen haben großen Einfluss auf die Politik (Zustimmung: 45,7 Prozent)

Als Verschwörungstheoretiker ist es sicher erfreulich zu lesen, dass 45 Prozent der deutschen Bevölkerung glauben, dass Geheim-Organisationen politische Entscheidungen stark beeinflussen. So jedenfalls das Ergebnis der neuen „Mitte-Studie“ der Friedrich-Ebert-Stiftung . Das klingt erst mal nach einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch die Studie sollte nachfragen, an welche Geheim-Organisationen die Menschen denken. Dann ergäbe sich wohl ein zersplittertes Bild und die Verschwörer würden die große Unwissenheit der Bevölkerung erkennen, selbst bei den 45 Prozent der Verschwörungstheoretiker.

Es zeugt nämlich von einem anderen Aufklärungshorizont, ob jemand nur sagt: „die Wirtschaftslobby“ (denn so weit reichte die Aufklärung durch die Mainstream-Medien einst noch) oder ob jemand sagt: „Illuminaten, Freimaurer, Jesuiten, Okkultisten, schwarzer Adel und magische Geheimorden“. Und sagt jemand: „die heimliche Besatzungsmacht der USA“ oder „CIA, NSA und Geheimdienste“, offenbart diese Person wieder einen anderen Bildungshorizont. Und wer besonders viel weiß, nennt einfach alles zusammen – und noch mehr. Innerhalb der 45-Prozent-Fraktion haben die meisten Verschwörungstheoretiker höchstens eine Teil-Aufklärung erhalten, statt ganzheitliche Denker zu sein.

Woher haben die Menschen die Verschwörungstheorien?

Es wäre auch spannend zu wissen, woher die Menschen die Verschwörungstheorie haben, dass Geheim-Organisationen die Politik steuern. Haben sie diese Theorie von „richtigen Verschwörungsbüchern“ (etwa der Autoren Jan van Helsing und David Icke)? Oder haben sie die Verschwörungsideen nur aus Artikeln und Büchern der Mainstream-Medien, wo früher ab und zu kleinere Wahrheiten auftauchten, etwa Verflechtungen von Politikern mit Wirtschaftskonzernen und Banken. Oder reden sie einfach mit Gefühl aus dem Bauch heraus? Oder aufgrund einfacher Logik? Oder auf Basis echter kleinerer persönlicher Erfahrungen?

Was sind Geheim-Organisationen für die Befragten der Studie?

Es bleibt auch die Frage, was die Menschen als „geheime Organisation“ verstehen. Mancher Verschwörungstheoretiker denkt sicher: „Die Banken steuern alles aus dem Hintergrund.“ Das ist sicher teilweise richtig, aber die Banken an sich sind keine Geheim-Organisation. So simpel werden wohl auch die Mainstream-Medien dagegen argumentieren. Selbst wenn die halb geheimen Freimaurer, die Jesuiten oder der Vatikan genannt werden, würden die Mainstream-Medien den Bürger wohl mit der idiotischen Logik verdummen: „Nein, die können es nicht sein, denn sie sind nicht geheim und haben sogar öffentliche Websites, wo sich jeder informieren kann.“ Und viele dumme Schafe fallen auf diese listige Beruhigung herein. Seit Ewigkeiten. Solange die normalen Menschen solche Rede-Strategien in all ihren zahlreichen Varianten nicht durchschauen, wird die Welt nie klüger werden …

Nun kann man sagen, dass „nicht geheime Organisationen“ die Politiker beeinflussen, etwa Banken, Konzerne und Wirtschaftsverbände, und selbst der Vatikan ist an sich nicht geheim. Geheim wäre in allen Fällen nur das Labyrinth der Umwege, über das der Einfluss auf die Politik kommt. Aber das bliebe immer noch eine „Verschwörungstheorie“, egal, ob geheime oder öffentliche Organisationen die Politik beeinflussen. Denn der Vorgang selber IST weitgehend geheim.

Gibt es wirklich viele Verschwörungstheoretiker in unserer Gesellschaft?

Doch sind 45 Prozent Verschwörungstheoretiker überhaupt viel? Bedenken wir: 55 Prozent der deutschen Bevölkerung sind demnach überzeugt, dass KEINE Geheim-Organisationen die Politik stark leiten. Die Gutgläubigen machen mehr als die Hälfe der Bevölkerung aus. Glauben diese nun selig an wahre Demokratie, frei von geheimen Interessenvertretern irgendeiner Art? So viel Dummheit ist schon beachtlich. Man muss nicht unbedingt an die Illuminaten glauben, aber der Gedanke, dass gar keine geheimen oder halb geheimen Organisationen die Politiker lenken, zeugt von Kurzsichtigkeit. Wenn nicht Geheim-Organisationen die Politiker leiten, wer dann? Die Volksinteressen sind es wohl kaum …

Verschwörungen: Glaube, Gewissheit oder Wissen unter Verschwörungstheoretikern in unserer Gesellschaft?

Man sollte auch den „Glaubensgrad“ ermitteln, den Grad von Glauben und Wissen zu politischen Verschwörungen. Wer hat nur den Verdacht einer Verschwörung in der Politik und wer ist so überzeugt, dass er seinen Glauben „Wissen“ nennen würde? Und hier kann man weiter unterteilen: Ist es Wissen auf Basis von Büchern und Logik oder sogar kleines Geheimwissen aus persönlicher Erfahrung? Normale Menschen kennen nicht die hohen Ebenen der Weltverschwörung, aber wie viele machen in ihren eigenen kleinen Behörden und Unternehmen ab und zu die Erfahrung, dass dort einige faule, antidemokratische Dinge geschehen? Etwa, wenn man als „freier Journalist“ einen Vertrag unterschreiben muss, positiv über die USA zu berichten oder wenn man erkennt, dass das eigene deutsche Unternehmen Waffen in Kriegsgebiete liefert? Über wie viele Dinge müssen die Deutschen in Staatsbehörden und Privatunternehmen per Vertrag oder Drohung schweigen? Wie viele Dinge werden verborgen, über die ein anständiger, moralischer Bürger im Dienst der Aufklärung und zum Wohl der Menschheit eigentlich reden sollte? DAS wäre mal interessantes Datenmaterial. Es würde das Ausmaß all dieser „kleinen kriminellen Dinge“ des Staates ans Licht bringen.

Weitere Ergebnisse der Mitte-Studie 2018 / 2019

 

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