Männer sind anfälliger für Verschwörungstheorien als Frauen

Für Verschwörungstheorien sind Männer mit 43,9 Prozent anfälliger als Frauen (33,9 Prozent), so das Ergebnis der neusten Mitte-Studie. Das Grundverhältnis entspricht auch meiner Erfahrung, wobei nach meinem Eindruck die Geschlechter-Schere noch weiter auseinanderfällt.

Männer und Frauen: Interesse für verschiedene Verschwörungstheorien?

Möglicherweise interessieren sich Männer und Frauen auch für verschiedene Verschwörungstheorien. Männer sind nach meinem Eindruck mehr bei „harten Verschwörungstheorien“ zu Politik, Wirtschaft, Geheimdienst, Militär und Ufos vertreten, während Frauen bei „weichen Verschwörungsthemen“ wie Ernährung, Umweltschutz, Schadstoffe, Klima, Esoterik, Spiritualität und Pharmaindustrie zahlenmäßig kräftig mitmischen. Die „klassischen Verschwörungstheorien“ sind aber eher eine Männer-Domäne, was man auch an den Autoren solcher Bücher sieht. Aber wie gesagt: Der Bereich Ernährung-Gesundheit-Ökologie-Spiritualität ist auch sehr von Frauen geprägt. Und bei Kritik an den Medien und der Gesellschaft liegen Männer vielleicht moderat vorn. So jedenfalls meine grobe Einschätzung.

Wie viele Verschwörungstheoretiker sind wirklich „Weltverschwörungstheoretiker“?

Aus meiner Sicht sind die Prozentzahlen von 33 bis 44 Prozent für die Anfälligkeit der deutschen Bevölkerung für Verschwörungstheorien zu hoch. Diese Zahlen mögen für „alle möglichen Verschwörungstheorien“ gelten, denn viele Menschen haben wohl eine Verschwörungstheorie zu ihrem speziellen Lieblingsthema (etwa nur: „Impfkritik“, nur „Kapitalisten“ oder nur „Ufos“). Aber wenn man das Ganze auf die „zentrale Verschwörungstheorie“ eingrenzt, also die Weltverschwörung einer geheimen Elite, verwoben mit untergeordneten Verschwörungen in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Medien, Bildung, Wissenschaft, Militär, Religion, Esoterik und Geheimgesellschaften weltweit – nun, Deutschland wäre ein anderes Land, wenn wirklich rund 38 Prozent der Bevölkerung an diese Weltverschwörung in ihrem vollen Ausmaß glauben oder auch nur darüber ernsthaft Bescheid wissen würden. Es wäre spannend gewesen, wie groß der Prozentsatz der richtigen „Weltverschwörungstheoretiker“ in der Gesellschaft ist.

„Anfälligkeit für Verschwörungstheorien“ – aus der Sicht der Verschwörungstheoretiker oft etwas Positives: „Anfälligkeit für die Wahrheit“

Übrigens ist die „Anfälligkeit für Verschwörungstheorien“ aus meiner Sicht etwas Positives, denn es bedeutet eine gewisse „Anfälligkeit für die Wahrheit“. Ein Verschwörungstheoretiker hatte das (glaube ich) mal sinngemäß so gesagt, dass Verschwörungstheorien im Grunde geheime Wahrheiten sind, die eines Tages auch im Mainstream und in der offiziellen Welt als Wahrheiten ankommen.

Selbst wer eine falsche Verschwörungstheorie glaubt, eine sehr kreative Lüge – etwa die „Theorie der flachen Erde“ –, hat aus meiner Sicht noch ein weiter entwickeltes Gehirn als alle Menschen, die nur brav glauben, was ihnen Schule, Wissenschaft, Medien und Kirche erzählen. Denn wer im Geiste imstande ist, sein Weltbild radikal umzuwerfen, etwa auf der Achse „runde Erde – flache Erde“, der beherrscht immerhin eine Geisteskunst, zu der viele autoritätsgläubige Schafe nicht in der Lage sind. Denn: Wer heute imstande ist, die „unfassbare Wahrheit der flachen Erde“ als Erster anzunehmen, der wäre in der Renaissance ebenso imstande, die „unfassbare (wahre) Wahrheit der runden Erde“ als Erster anzunehmen. Menschen, die Weltbilder im Geiste aufbauen und wieder umwerfen können, sind grundsätzlich intelligentere und flexiblere Freidenker als der dumme Rest der Menschheit, der nur glaubt, was eine offizielle Autorität in Schule, Wissenschaft, Medien und Kirche ihnen erzählt.

Gewiss, es gibt auch falsche Verschwörungstheorien. Es gibt aber mindestens genauso viele falsche Meldungen der offiziellen Medien, der offiziellen Politik und der offiziellen Wissenschaft. Wenn Verschwörungstheoretiker ab und zu mal auf Desinformation hereinfallen, dann tun die Mainstream-Menschen das nach meiner Überzeugung noch viel mehr.

Weitere Ergebnisse der Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung 2018 / 2019

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