Namensforschung und Ahnenforschung: Welche Bedeutung hat der Familienname Adamus?

Mit Familien des Nachnamens Adamus bin ich meines Wissens nach nicht blutsverwandt (zumindest nicht in den jüngeren Generationen bis zum Urgroßvater). Aber in meiner Familie hat jemand eine Person mit dem Nachnamen Adamus geheiratet, weshalb ich in meiner Namensforschung auch diesen Namen unter die Lupe nehme, wie zuvor schon die Namen Scholonek, Gryschka, Konik und Minias.

Was bedeutet der Name Adamus (als Familienname, Nachname)?

Nun, es liegt nahe, dass der Name vom biblischen Namen Adam abstammt und dass „Adamus“ die latinisierte oder spanische Form von Adam ist (ich betone: nicht eine „polnische“ Form, auch wenn viele „Adamus“-Familienmitglieder aus dem deutsch-polnischen Raum Schlesien kommen). Nun, naiv gesprochen mag man nun denken, „adamus“ bedeutet „adamisch sein“, also „von Adam abstammend“. Doch es stellt sich die Frage, warum Menschen aus jüngerer Zeit (also im Mittelalter) dies von sich denken sollten, denn Adam liegt wirklich schon sehr weit zurück, halb im Reich der Legenden – und sogar in der Bibel finden wir NICHT die Bezeichnung „Adamiter“ für Adams Söhne, sondern viele andere Völkernamen.

Doch was bedeutet Adam? Nun, „Adam“ ist hebräisch („adamah“) und steht für den Erdboden, aus dessen Staub Gott den Menschen gemacht hat. Somit wäre ein „Adam“ also entweder ein „Mensch aus der Erde“ oder einfach ein „Erdbewohner“ und vielleicht hat sich dieses Wort zu althochdeutschen und mittelhochdeutschen Zeiten auch als Begriff für einen Ackerbauern und Feldbesteller in manchen Regionen eingenistet, sodass Bauern – und Gärtner, denken wir an den Garten Eden! – „Adam“ genannt wurden. Man muss wissen, dass die Menschen damals wie heute bei Wortschöpfungen oft kreativ waren. Bedenken wir übrigens auch, dass das Wort „Adam“ ähnlich wie „Adonis“ klingt, was in der griechischen Mythologie für einen schönen, geliebten Jüngling steht – ohne dass damit der Bezug zur biblischen Bedeutung verloren geht, sondern vielmehr schmückt die Wortbedeutung für „Adonis“ das Wort für „Adam“ (= Mensch) ein wenig aus.

Stellen wir uns nun vor, wie es in der Antike und im Mittelalter zugegangen sein mag. Wenn man jemanden „Adam“ rief, meinte man damit vielleicht einfach „Mensch“ oder „Jüngling“ oder sogar „schöner junger Mann“. Vielleicht war es auch ein Name für „unbekannte, namenlose, anonyme Menschen“, die man sonst nicht anders zu benennen wusste, also sagte man einfach „Mensch“ bzw. das biblische „Adam“ – man könnte auch sagen: „Mensch aus dem Nichts“, also „Mensch, der einfach so aus dem Nichts = Erdboden aufgetaucht ist“, wie auch der biblische Adam. Vielleicht war „Adamus“ ein Sammelbegriff für entwurzelte Menschen, etwa auch Waisenkinder, deren eigentlichen Familiennamen man nicht kannte. Und so wählte man das alte „Adam“.

Doch vielleicht war „Adam“ bzw. „Adamus“ auch eine Berufs- statt eine Herkunfts- oder Körperbezeichnung. Dass man früher einfache Bauern mit Adam bezeichnet hatte, denke ich zwar weniger, denn für „Bauer“ wird es genug andere Wörter gegeben haben, doch vielleicht waren Adams Gärtner oder die Besitzer schöner Gärten oder Haus-Garten-Anlagen, also reichere Leute. Vielleicht waren auch speziell „Bauern“ bzw. Besitzer von schönen Obstgärten, Weintrauben-Hängen oder herrlichen Olivenbaum- und Ölbaumfeldern – und nicht so sehr die trostlosen Kartoffelbauern, an die man so schnell denkt. Wenn ich denke, wie der Familienzweig Adamus ist, mit dem ich verwandt bin, halte ich eine Deutung in Richtung Haus-Garten-Paradies für wahrscheinlich – und ebenfalls die Deutung aus dem nächsten Absatz, denn auch diese Beschreibung würde zum Adamus-Zweig aus meiner Familie passen.

Während die Familienzweige, mit denen ich blutsverwandt bin, eher kinderarm, liebesarm oder gesellschaftlich isoliert leben, scheint mir der Familienzweig Adamus kinderreich und sozial zu sein und auch beim Thema Liebe gibt es dort vermutlich mehr Bewegung. Und wie wir aus der Bibel wissen, galt Adam als der Stammvater aller Menschen. Was also, wenn „Adam“ bzw. „Adamus“ sich in der Antike und im Mittelalter auch als Bezeichnung für kinderreiche Männer eingeschlichen hat. Stellen wir uns vor, ein Mann hatte früher sieben, zehn oder sogar mehr Kinder gezeugt, also als Stammvater einen richtigen kleinen Stamm aufgebaut bzw. als Stammbaum viele Früchte gezeugt. Wäre es nicht denkbar, dass man solche kinderreichen Familienväter ernsthaft oder scherzhaft „Adam“ genannt hat – und umso mehr, wenn es obendrein Grundbesitzer mit einem schönen Landhaus und einem weiten Garten waren? In welcher Epoche dies gewesen sein mag (Antike, Mittelalter, Neuzeit) kann ich nicht genau sagen, aber es wäre denkbar, dass diese Tradition schon lange zurückreicht. Man sollte sich bei allen Familiennamen immer fragen, wie frühere Menschen – von den Hochintelligenten bis hinab zu den ganz Dummen – gedacht haben könnten. Insbesondere sollte man sich auch vorstellen, wie die Mehrheit gedacht haben könnten, die damals stark regional und in ihren eigenen regionalen Gewohnheiten, Traditionen, Allgemeinwissen und Dialekten verhaftet war.

Nach einer Namenskarte ist dieser Name am meisten im heutigen Polen bzw. ehemaligen Deutschland verbreitet, aber auch in Deutschland und wohl bedingt durch Aussiedler auch in Kanada und den USA. Das ist interessant, denn wie gesagt, klingt der Name nicht gerade polnisch und auch nicht gerade deutsch, aber dennoch eher nach deutschem Sprachspiel als nach polnischen Sprachspiel.

Schauen wir noch, was ein althochdeutsches Wörterbuch uns zu Wörtern aus dem Bereich „Adam“ zu sagen hat. Wir finden:

„adamantīn“ = stählern, unbezwingbar“ und auch das Wort „demanten“ = „hart zusammengebaut“ liegt nicht fern, also das Wort Diamant für sehr harte Steine. Das lässt auf einen Krieger oder eine kriegerische Laufbahn schließen, auf geradezu legendäre Helden. Oder denken wir an das Wort Admiral. Oder einfach „Adamant“ = Krieger, so meine Schätzung. Nun, das Wort „Adamant“ gibt es tatsächlich und es steht für sehr harte Metalle, Minerale und Kristalle. Also, entweder war ein „Adamus“ nun jemand, der etwas mit Stein- und Metallhandwerk zu tun hatte, oder – was ich wahrscheinlicher finde – ein unbezwingbarer Krieger. Vielleicht nannte man damals langjährige Soldaten so, die Veteranen, die schon viele Kriege an der Front überlebt hatten. Oder man nannte so im alltäglichen Umgang einfach einen Herrn mit einem starren Charakter und einer festen Meinung, also jemand, der charakterlich und intellektuell unbezwingbar war.

Interessant ist ferner, dass im althochdeutschen Wörterbuch auch das Wort „ādank“ existiert, was für Erfindung und Erfindungsgabe steht. Bedenken wir: Adam war ein von Gott erfundener, geschaffener Mensch, er war Gottes Werk („Adam“). Wenn nun „Adank“ mit dem gleichen Stamm „Ada“ nun „Erfinder“ statt „Erfundener“ bedeutet und wenn man annimmt, dass sich die Menschen ohnehin nicht so genau an korrekte Grammatik hielten, dann mag ein Adam bzw. Adamus auch im Sinne eines „Adankers“ (oder wie immer man damals Erfinder nannte) auch ein Erfinder, ein Schöpfer, ein begabter Handwerker oder sonst ein geistreicher-handwerklicher Mensch gewesen sein, wobei ich diese Bedeutungslinie für weniger wahrscheinlich halte.

Und schließlich kannte man im Althochdeutschen noch das Wort „ādargrati“ für Aderritzung oder Verletzung. Das lässt ein wenig an die Geschichte denken, dass Adam aus einer Rippe Evas entstanden ist. Nun, wenn aus „Adam“ durch eine Veränderung nur eines Buchstabens („Adar“) gleich die Ader wird, so kann man sich fragen, ob „Adam“ im altmittelhochdeutschen statt biblischen Sinne auch so etwas wie „Lebender“, „Überlebender“ (= Unbezwingbarer, siehe „Adam“) oder etwas mit „Fleisch und Blut“ (= Mensch) bedeutet hat. Wie man sieht, kommen wir über Schleifen wieder zu den anderen Bedeutungen und sie schließen einander nicht aus. Ich halte es für denkbar, dass sich einige Menschen mit kriegerischem Stolz „Adamus“ genannt haben oder von ihren Bewunderern so genannt wurden.

Nicht zuletzt kann „Adam“ auch noch etwas mit „Adel“ zu tun haben, denn das Wort „ada“ („Ader“) zeigt, dass man leicht zu einem Wort wie „Adal“ kommt. Und tatsächlich findet man in Wikipedia den Eintrag: „Der Adel (althochdeutsch adal oder edili ‚Edles Geschlecht, die Edelsten)“. Im althochdeutschen Wörterbuch findet man neben der Bedeutung für Adel aber auch noch die Bedeutung „adel“ = „Geschwür“. Das wiederum passt zu der Theorie, dass „Adam“ so etwas wie ein Stammvater und den Gründer eines Stammbaums bezeichnet (bzw. die Ader im Sinne einer genetischen Blutlinie) und von diesem Stamm des Baumes breitet sich dann die Baumkrone wie ein „Geschwür“ aus, also der kinderreiche Stammbaum. Vielleicht ist „Adamus“ also die Bezeichnung für einen Abkömmling von so einem kinderreichen Stammvater, entweder in ehrenvoller oder in abwertender Bezeichnung, vielleicht auch als Bezeichnung für einen Erben, also Adamus = Erbe Adams.

Weiterhin finden wir im althochdeutschen noch die Wörter: „adfadumire“ = zum Erben einsetzen und „adfanire“ = zum Militärdienst einberufen. Hier kann man wieder Brücken zu den bereits genannten Bedeutungen schlagen. Man denke beim Wort „Adam“ immer die Silben, einmal das „Ad“ und einmal das „am“ und danach noch das angefügte „mus“ bzw. „us“. „Adam“ ist zwar in erster Linie aus dem Hebräischen der Bibel bekannt, aber wir kennen dieses „ad“ auch aus dem Lateinischen. „Ad“ heißt nun irgendetwas mit „zu“, „zufügen“. So gesehen könnte man auch das Wort Adel in „Ad“ und „El“ zerlegen. Und „El“ bedeutet oft etwas mit Elite und Herr (vergleiche das „Elohim“ in der Bibel) oder auch „Eltern“. „Ad“ + „el“, also „Ad-el“ heißt nun: „Zugehöriger zur Elite“ oder „Zugehöriger zum (höchsten) Herrn“, was dann abwertend zu „Geschwür“ wird, also ein elitärer Herr oder Stammvater und zu dem kommt dann das ganze Gefolge an Kindern und weiteren Familienmitgliedern als Geschwür, also als Baumkrone voller Zweige. – Doch all das nur am Rande. Nun zurück zu „Adamus“:

Nicht zuletzt gibt es noch Bedeutungen von „mus“ im Sinne von „Apfelmus“.“ „Adamus“ man nun so etwas wie „zur Erde“ oder „aus der Erde“ bedeuten, aber das sagte ich bereits.

Doch jetzt wird es interessant: Wenn „Adel“ (= „Ad-El“) die Bedeutung „Zugehörigkeit zur Elite“ bedeuten könnte, dann bedeutet „Ad-mus“ bzw. „Ad-a-mus“ vielleicht so etwas wie die Zugehörigkeit zu breiten, namenlosen Masse („Apfelmus“, Volk) oder anders gesagt ist es die Bezeichnung für Menschen mit nur entfernten Verbindungen zu dem adeligen Stamm.

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