Namensforschung und Ahnenforschung: Welche Bedeutung hat der Familienname Minias?

Meine Großmutter hieß mit Nachnamen Minias (oder Minas?). Ich erforsche nun diesen Namen, so wie ich zuvor bereits die Namen Scholonek, Gryschka und Konik erforscht habe. Leider weiß ich nicht genau, ob der Name nun „Minias“, „Minas“ oder noch anders geschrieben wird, das erschwert die Sache und man kommt je nach Ansatz zu anderen Ergebnissen. Tatsache ist aber, dass ich bei dieser Namenssuche auf „www.myheritage.de“ einige Treffer zu Personen wie „Minias“ finde und obendrein diese Personen nicht etwa eine griechische oder lateinische Herkunft haben, sondern aus dem osteuropäischen Raum kommen mit polnisch anmutenden Geburtsorten. Das passt zu der Region, wo viele Wurzeln meiner Familie liegen. Allerdings klingt der Name weder deutsch noch polnisch, sondern er ist von südeuropäischer Eleganz.

Welchen Ansatz soll man bei der Namenserforschung von „Minias“ also verwenden? Persönlich hätte ich zuerst in Richtung Römisch / Latein / Italienisch /Spanisch gesucht oder in Richtung der mittelalterlichen „Minne“ (= Liebe“) oder sogar in Richtung „Midas“ (der König, dessen Hand alles zu Gold machen konnte). Wenn der Name aber slawischen Ursprungs ist, sollte man anders denken.

Nun, mit Wikipedia kam ich nicht weit. Aber in Google kam ich mit ein wenig Spitzfindigkeit zu folgender Information:

Minias ist der Name eines Märtyrers, der um 250 in Florenz in Italien gestorben ist. Der Name ist lateinisch und bedeutet: „der Aufragende“. Der Überlieferung nach war Minias ein verarmter Prinz, Soldat und Christ, der vom damaligen Kaiser verfolgt und gefoltert wurde. Allerdings wird es nun etwas magisch: Der Legende zufolge soll Minias nach der Enthauptung seinen Kopf genommen haben und mit ihm durch den Fluss geschwommen sein. Im 4. Jahrhundert nach Christus hat man dort eine Kapelle erreichtet, aus der in moderner Zeit die heute noch stehende Basilika S. Miniato wurde. Heute gilt Minias als Patron von Florenz. Auch um 1320 gab es Gedenktafeln aus seinem Leben und der katholische Gedenktag ist der 25. Oktober.

Nun, meine Ahnen sind auf jeden Fall katholisch und sehr religiös, zumindest so weit passt es. Und wenn der Nachname Minias irgendwie auf diesen Prinzen zurückgeht, dann hätte meine aus Schlesien stammende Großmutter im weitesten Sinne italienische Wurzeln. Wäre es denkbar, dass der Heiligenname Minias irgendwann zum Nachnamen von einigen Personen wurde?

Ein größerer Ortsname scheint es jedenfalls nicht zu sein, denn weder in Wikipedia noch bei Google Maps bekomme ich einen Treffer für einen Ort namens „Minias“ (wobei auch die Suche nach „Minas“ oder „Minna“ nicht gerade erhellend ist). Weder scheint es heute einen Ort mit diesem Namen zu geben noch das Wissen um einen solchen Ort in der Vergangenheit zu existieren.

Also suchen wir bei „Minias“ einen anderen Ansatz. Zurück zum Märtyrer-Prinzen und seiner Basilika S. Miniato. Zur Basilika „San Miniato al Monte“ findet man einen Wikipedia-Eintrag. Der ist zwar lang und interessant, bringt uns bei der Namensforschung aber mal nicht weiter.

Doch wie wäre es mit diesem Ansatz: Vielleicht hatte man als „Minianer“ o. ä. später einen Märtyrer, Kreuzzügler oder andere religiöse Kämpfer im Namen Christi bezeichnet?

Oder machen wir mal die Vornamensuche. Zu „Minas“ (nicht Minias) findet man dann, dass der Name aus dem Griechischen kommt und „der Mächtige“ bedeutet. Denken wir auch an den Minotaurus, da haben wir das „Min“ wieder. Und „Minias“ soll ja „der Aufragende“ bedeuten. Weiterhin kennen wir das deutsche Wort „Miniatur“. Ja, so langsam haben wir den Kern der Sache. Und Minos war in der griechischen Mythologie ein Sohn des Gottes Zeus und die bronzezeitliche Kultur der Insel Kreta wird als „minoisch“ bezeichnet.

Holen wir uns weitere Inspirationen, diesmal zum Wort „Miniatur“ – zudem mache ich bereits darauf aufmerksam, dass beim Familiennamen „Minias“ vermutlich „Mini“ bzw. „Minia“ der eigentliche Stamm ist und das „s“ vielmehr eine Spezifizierung oder Flexion. Soll heißen, es mag auch ein männlicheres Wort wie „Minios“ o. ä. interessant sein.

Doch zurück zur Miniatur, denn dieses Wort ist dem „Minias“ am ähnlichsten. Laut Wikipedia ist eine Miniatur eine kleine Zeichnung oder Malerei oder auch einen kleinen Text in der Literatur oder ein kurzes Stück in der Musik oder ein kleines Modell von einem Gegenstand.

Deutet der Familienname „Minias“ nun irgendwie auf eine künstlerische Ader hin? Zumindest habe ich eine starke künstlerische Ader, die ich nicht auf meine Vaterseite, sondern auf meine Mutterseite zurückzuführen glaube. Vielleicht haben Menschen mit dem Namen Minias früher Kunstgegenstände und Dekorationsgegenstände im Sinne von Miniaturen angefertigt oder sich lyrisch der „Minne“ (mittelalterliche Liebesgedichte) gewidmet.

Nun, eine Suche in einem spanischen Wörterbuch ergab immerhin: Es gibt dort das Wort „miniar“, was bedeutet „in Miniatur malen“. Das mutet so an, als könnte es ein lateinisches Wort namens „miniare“ geben. Ich gebe auch dies ein und erhalte einen Treffer auf Italienisch: „miniare = mit Miniaturen ausschmücken“.

Das alles erhärtet die Beweislage, dass der Name „Minias“ irgendetwas mit liebevoller, kleiner Kunst zu tun hat, mit Kunsthandwerk oder anderen Formen künstlerischen Beschäftigung.

Schauen wir auch mal, ob es ein verwandtes Wort in einem althochdeutschen Wörterbuch gibt – denn das Althochdeutsche scheint ohnehin so etwas wie die Ursprache aller Sprachen in Europa zu sein. Ein Wort wie „Minias“ finde ich in einem althochdeutschen Wörterbuch nicht, doch wie gesagt, ist das -ias am Ende sicherlich bereits eine Flexion und wir sollten schauen, was es zum Stammwort „Min“ alles zu sagen gibt.

Die Erkenntnisse sind nicht allzu überraschend, denn bereits aus dem Deutschen kennen wir das „min“ zunächst einmal als Verkleinerungsform wie „Minimum“ oder eben „Miniatur.“

Das „min“ heißt im Althochdeutschen einmal etwas aus dem Bereich „minder, weniger, geringer, verkleinern“ – wobei ich stark bezweifle, dass im Fall des Nachnamens Minias eine negative Verkleinerungsform gemeint ist, sondern es eher der Hinweis auf einen Kunsthandwerkerberuf oder vielleicht auch auf einen liebevollen Frauennamen ist, denn „Minias“ bzw. „Minia“ könnte locker als schöner Frauenname in vielen Ländern durchgehen.

Zweitens kann das „min“ zumindest im mittelhochdeutschen die Bedeutung von „mein“ haben. Vielleicht würde „Minias“ dann frei übersetzt so etwas wie „meine (geliebte) Frau“ / „mein Schatz“ bedeuten, denn es ist wie gesagt ein künstlerisch schöner Name.

Weiterhin finden wir im althochdeutschen Wörterbuch das Wort „Minio“ als Bedeutung für „Menning“ und „Zinnober“ (und im Duden das Wort: Minium – nein, nicht „Minimum“). Nun, was ist das? All diese Worte bezeichnen eine „rote Malerfarbe aus Bleioxid, die als Schutzanstrich gegen Rost verwendet wird“. Minium soll aus dem lateinischen kommen und ein iberisches, also spanisches Wort gewesen sein. (Übrigens ist das „Minium“ auch im Wort „Aluminium“ enthalten. Persönlich ist mir das Wort Zinnober auch einfach als rote Farbe in der Malerei bekannt.

Nun, es geht also irgendwie um eine rote Farbe. Denken wir mal nach. Ist „Minias“ vielleicht nicht nur die Bezeichnung für einen Künstler, Maler oder Anstreicher, sondern vielleicht eine Bezeichnung für das Aussehen? Es soll nämlich auch Nachnamen geben, die auf das Aussehen einer Person hinweisen. So gesehen würde eine rote Farbe entweder auf eine rote Haut, auf rotes Haar oder nur auf ein rotes / errötetes Gesicht durch Verlegenheit, Trunkenheit oder einen Hausausschlag hinweisen. Wenn dem so sein sollte, schätze ich mal, dass am ehesten die rotes Haar statt rote Indianerhaut gemeint sein wird, aber vielleicht deutet es auch auf Verlegenheit (rot werden) oder auf einen Hautausschlag im Gesicht hin, der aufgrund der Genetik weitervererbt wird. Nun, jedenfalls bin ich überzeugt, dass Schüchternheit eine starke Linie von Mutterseite ist und auch irgendetwas in Richtung roter Hautausschlag würde ich von dieser Seite genetisch nicht ausschließen. Frei interpretiert kann „Minias“ auch so etwas wie „kleine Maus“ bedeuten, also auf einen Menschen und insbesondere eine schüchterne Frau hindeuten, die sich kleiner Macht, als sie ist – aber zugleich dennoch liebenswert, künstlerisch begabt und fantasievoll ist. Beide Wortbedeutungen von „Miniatur“ im künstlerischen und menschlichen Sinne müssen sich einander nicht ausschließen. Denkbar wäre auch noch, dass „Minias“ auf eine kleine bzw. kleinwüchsige oder zierliche Frau hindeuten, wobei meine Familie von Mutterseite von durchschnittlicher Größe ist.

Abschließend noch einmal zu der italienischen Wurzel von „Minias“. Nach meiner Recherche gibt es in Italien noch das Wort „Miniassegno“. Das war eine Art Minischeck oder Notgeld in Italien der 1970er Jahre. Weil Münzen knapp waren, musste man Wechselgeld durch andere Dinge wie Süßigkeiten und Briefmarken erstatten. Leider ist das Wort in dieser Bedeutung zu jung, um als Wurzel für den Familiennamen Minias zu taugen. Eher schon geht diese neuere Verwendung des Wortes Minias auf den verarmten Prinzen Minias der Antike zurück. Das Wort Miniassegno (was wie „kleiner Segen“ anmutet) beweist aber eine Tatsache, nämlich dass das Wort „Minias“ durchaus im Italienischen Verwendung findet – und das somit auch im Altertum der Fall gewesen sein mag. Vielleicht hat Minias auch irgendwie mit Geld oder mit Armut zu tun. Vielleicht war eine „Minias“ eine „kleine reiche Frau“, die ein paar Münzen an der Seite hatte, oder eine minderbemittelte, einfache, arme, verarmte Frau. Wer weiß, wie regional-kreativ manches Wort verwendet wurde. Wenn man bedenkt, dass laut einer Internetquelle „Minias“ = „der Aufragende“ bedeuten soll (also das Gegenteil von Miniatur), so mag Minias auf einen etwas höheren Stand / Klasse / Ehre bzw. auf einen kleinen Reichtum oder eine größere Mitgift (Erbe für Ehefrauen) hindeuten – eben auf „eine Frau von hohem Stand“ (oder auch nur „von hoher Statur / Wuchs“, wenn es nur körperlich gemeint ist).

Und hier sehen wir die Verbindung zum Islam, denn wenn „Minias“ = „der Aufragende“ ist, dann leuchtet es ein, dass warum die Türme einer Moschee Minarett heißen, doch dies erwähne ich nur am Rande und nicht mit dem Hinweis auf möglicherweise islamische Wurzeln des Wortes „Minarett“. Vielmehr möchte ich zeigen, dass das Wort Minarett lateinischen Ursprungs ist.

Zurück zum Namen Minias. Im italienischen Wörterbuch finden wir noch das Wort „miniera“ für Bergwerk, Fundgrube und Mine. Jetzt wird es wieder interessant und paradox, denn das Wort „Minias“ kann so gesehen etwas von Armut bis Reichtum bedeuten, also sowohl etwas in Richtung „arme Frau“ (oder sogar der Hinweis auf eine Bergwerksfrau bzw. die Ehefrau eines Bergmanns) als auch ein Hinweis auf eine reichere Frau, etwa wenn eine Familie mit Namen Minias die Besitzerin eines Bergwerks ist bzw. wenn man sich vorstellt, dass diese dunkle Mine bzw. Grube (althochdeutsch „min“ = minder, unten, gering, also ist eine Mine sozusagen ein unterirdischer, dunkler Steintunnel) dann letztlich so etwas wie Gold und Silber gefördert hat. Das Wort „Minias“ erinnert nämlich irgendwie auch an „Münze“ oder „Midas“ (den Mann mit der goldenen Hand). Und dann gibt es im Italienischen noch den Begriff „minuzia“ für „Kleinigkeit“, was ebenfalls auf einen kleinen Geldbeutel oder ein kleines, aber feines Erbe hinweisen könnte. Oder es hat etwas mit einer Münzerei zu tun bzw. mit einer weiterem Verarbeitung der Edelmetalle aus einer Mine. Und zumindest eines ist recht sicher: Es gab mal einen verarmten Prinzen (!) mit Namen Minias. Wenn wir annehmen, dass er nicht erst „Minias“ genannt wurde, als er arm war, sondern den Namen schon bei einer Geburt unter Reichen erhielt, dann zeigt dieser Name eine gehobene Herkunft an (mit Namensähnlichkeit zum häufigen Königsnamen Midas). Und wenn dieser Name dann auch für Arme verwendet wurde, dann eher für „edle Arme“ bzw. „verarmte Reiche“.

Weiterhin gibt es im Italienischen noch das Wort „minore“ für „der Jüngere / Jugendlicher“. So gesehen mag „Minias“ in etwa „die Jüngere“ oder „(schöne) junge Frau“ heißen. Ich weiß, das klingt wieder paradox, aber beim Wort Minias kann man von arm bis reich und von groß bis klein alles finden.

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