Was bedeutet der Name Hannah (oder Anna und Annette)?

Der Vorname von mir als Mitschreiberin dieses Blogs ist Annette. Schon seit Jahren kenne ich die Erklärung, dass dieser Name sich vom biblischen bzw. hebräischen Wort „Hannah“ ableitet und „die Begnadete“ oder vielleicht auch die Gnädige heißt, ebenso wie „Anna“, und „Annette“ ist dann die französisch anmutende Koseform.

Doch gibt es noch eine andere Erklärung für den Vornamen Annette? Oder anders gefragt: Woher kommt das hebräische „Hannah“? Ist es nicht denkbar, dass das Wort „Hannah“ einfach von einem frühen Althochdeutschen kommt, das wiederum sogar zeitgleich mit dem sogenannten Hebräischen existierte oder sogar als eine Art sehr frühes Urdeutsch vor dem Hebräischen? Ist nicht sogar das Hebräische eine Art Dialekt des Deutschen? Ich weiß, das wird Ihnen als Normaldeutschen sehr befremdlich anmuten, vielleicht nach einer rechtspopulistischen Verschwörungstheorie. Doch lesen Sie einfach mal das Buch „Weltbilderschütterung“ von Erdhard Landmann, dann werden Sie meine Worte verstehen. Übrigens haben mich eigene sprachwissenschaftliche Forschungen zu ähnlichen Ergebnissen gebracht.

Doch zurück zum Vornamen Annette bzw. Anna oder Hannah. Statt bei der Übersetzung des Namens vom Hebräischen auszugehen, können wir auch einfach vom Althochdeutschen ausgehen. Zerlegen wir das Wort „Hannah“ un „Han“ und „nah“. Beides sind tatsächlich althochdeutsche Wörter. „Han“ ist eine Vorsilbe für das Wort „haben“ und „nāh“ heißt „nahe, fast gänzlich“ – nun, liegt das nicht nahe? Somit könnte man in „Hannah“ als „die Habende“ übersetzen – und zwar im Sinne einer „fast gänzlich Habenden“. Einer Wohlhabenden („Nahe-fast-alles-Habenden“), der es fast am nichts mangelt. Und was ist das? Nun, das ist in Neudeutsch genau dasselbe wie eine Begnadete – und sagt man nicht von reichen, berühmten alten Königin: „König vor Gottes Gnaden“? Oder zu wohlhabenden, bürgerlichen Frauen „die gnädige Frau“? Und eine Frau wie „Hannah“, die scheinbar wie ein „Hans im Glück“ reich, wohlhabend und wohlbehütet geboren wird, ist eben eine „Fast-alles-Habende“, eine „Glückliche“ und damit eine von Gott oder vom Glück „Begnadete“. Wenn „Hannah“ also im Hebräischen „Gnade“ heißen soll, so deckt sich dies mit der althochdeutschen wörtlichen Übersetzung.

Übrigens möchte ich betonen, dass mir zumindest aus der jüdischen Kabbala für „Gnade“ vielmehr das Wort „Chesed“ statt „Hannah“ bekannt ist. Ich bin aber kein Experte des Hebräischen. Eine Eingabe in ein hebräisches Wörterbuch mit dem Versuchswort „Anna“ („Hannah“, „Channa“ und „Chesed“ brachten keine Ergebnisse) ergab aber immerhin:

„hanachA“ = „Annahme“

Nun, das passt zur althochdeutschen Übersetzung. Eine „Anna“ bzw. „Hannah“ ist also „die von Gott Angenommene“, anders gesagt, „die von Gott Begnadete“. Mir scheint, dass die Übersetzung von „Hannah“ = „die Begnadete“ mehr die geschönte Übersetzung ist als die wortwörtliche Übersetzung.

Und wie kommt es zum Wort Annette? Nun, ganz einfach. Nachdem irgendwann der Name Hannah im Umlauf war, haben Menschen aus Schwerhörigkeit oder einfach aus Bequemlichkeit irgendwann das Wort „Anna“ daraus gemacht. Und noch einige Jahrhunderte später meinte ein Mensch, der im deutsch-französischen Raum lebte, dies zu „Annette“ auszuschmücken oder zu verniedlichen.

Doch vielleicht kommt das Wort „Anna“ auch gar nicht von „Hannah“, sondern vom althochdeutschen Wort „Ana“, das für „Ahnin“ oder „Großmutter“ steht. Das Wort „Ana“ und auch die Silbe „An“ ist ein derart intuitives und elementares Wort, dass es beinahe unsinnig anmutet, wie frühere Menschen bei dem komplizierteren Wort „Hannah“ angefangen haben sollten und nicht vielmehr das „Ana“ und das „An“ von dem „Han“ existiert haben. Denken wir auch an die sumerischen oder biblischen Götter „Anunnaki“, wo wir auch das „An“ am Anfang haben und sie sollen ja nach einigen Legenden der Anfang von allen Menschen gewesen sein und der Anführer soll Anu geheißen haben. Da liegt es nahe, dass sich in Anlehnung an diese Götter schon früh das Wort Ana oder Anna für alle möglichen Menschenfrauen eingeschlichen hat und erst später die Hannah dazukam. Es liegt auch nahe, dass aus einem „An“ mit dem Vorbuchstaben „H“ von der elementaren Wortbedeutung her eine von Gott Begnadete wird. Denn wofür steht im Deutschen oft das H? Es hat auch etwas mit „Hilfe“ zu tun, mit „huldigen, hold sein“ und auch das Wort „Herr“ fängt mit H an. Anders gesagt: Wenn das A für Gott bzw. für die Götter und die ersten Ahnen vorbehalten ist, dann wird dadurch, dass man dem „An“ ein „H“ als buchstäblichen Vorsteherherren vorsetzt, eine „vom Herrn begnadete Nachfahrin der anfänglichen Götter.“ Wie wir wissen, ist eine Heilige Frau oder eine holde Frau eben nicht der Gott selbst, sondern nur eine von Gott (vom „großen Helfer, Herrn“ = „H“) Begnadete. Eine „Hannah“ ist demnach auch nur „annähernd heilig“, aber eben nicht so heilig wie die Götter selbst.

Und wie sieht es beim Wort „Annette“ mit dem „ette“ am Ende aus? Im Althochdeutschen finden wir unter der Bezeichnung „ette“ nichts, aber ein intelligenter Sprachwissenschaftler ist kreativ und ahnt, dass man vielleicht unter „edde“ nachsehen sollte, weil die Deutschen früher eine andere Aussprache hatten und es auch mit der Rechtschreibung nicht so genau nahmen. Nun, wir finden in der Tat einige Wörter mit „edde“ (und auch mit der Alternativschreibung „ette“). Bevor jemand also vorschnell sagt, dieses „ette“ sei französisch, sagen wir besser, es ist eine althochdeutsche Form, aus der später das Französische hervorging. Dieses „edde“ bzw. „ette“ bedeutet, wenn man die Übersetzungen querliest, sozusagen etwas im Bereich „einigermaßen, irgendetwas, ein wenig“. Und DAS PASST. Denn „Annette“ ist ja aus neudeutscher Sicht eine Art Koseform von Anna. Man könnte auch „Annchen“ oder „Annettchen“ sagen (das Letzte wäre dann die doppelte Verniedlichung) bzw. als Adjektiv betrachtet „annisch“ > „der Anna ähnlich“, „in bisschen wie Anna klingend“, „ungefähr wie Anna“.

Somit braucht man beim Wort „Annette“ weder ausschließlich die hebräische Sprache bemühen noch sich leichtfertig auf in die französische Sprache berufen, sondern man kann dieses Wort auch mit dem Althochdeutschen Silbe für Silbe erklären. Und wenn das Wort „Ana“ oder „Anna“ (wenn auch nicht als Eigenname, so zumindest als Substantiv für Ahnen, Götter und Eltern) bereits vor dem Wort „Hannah“ existiert haben sollte, was ich wahrscheinlich finde, dann hat das Althochdeutsche oder zumindest eine Vorstufe davon vielleicht vor dem Hebräischen existiert bzw. das Hebräische ging seinerseits aus einer Art Althochdeutscn hervor oder existierte parallel dazu und die Sprachen bzw. die Dialekte haben sich gegenseitig beeinflusst. Denn so biblisch alt Namen wie Johannes oder Hannah auch sein mögen, bedenken Sie eines: Die elementare Silbe „An“, die in beiden Namen vorkommt, wird sprachgeschichtlich sicher vor solchem komplexen Worten wie „Hannah“ oder „Johannes“ existiert haben, die beide das „an“ im Namen enthalten.

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